Brandenburger Waldbauern weiterhin mit eigener Interessenvertretung

Bereits seit 12 Jahren unterbreitet die vom Waldbauernverband Brandenburg e.V. getragene Waldbauernschule in Brandenburg kleinen Privatwaldbesitzern zwischen Prignitz und Lausitz forstliche Bildungsangebote. Diese sollten jetzt weiterentwickelt und um ein Online-Schulungsangebot ergänzt werden. Doch dieses Bemühen stößt beim Waldbesitzerverband Brandenburg offensichtlich auf Kritik. Beide Verbände befinden sich seit zwei Jahren in Fusionsverhandlungen, um die Interessenvertretung aller Waldeigentümer im Land Brandenburg zu stärken.

Der Waldbesitzerverband des Landes Brandenburg hat dieser Tage die Gespräche mit dem Waldbauernverband Brandenburg über eine Fusion einseitig abgebrochen.

„Wir haben die Verhandlungen immer mit dem Ziel geführt, die Spaltung der Privatwaldbesitzer in Brandenburg zu beenden. Doch offensichtlich hatte man bei unserem Verhandlungspartner Angst vor der eigenen Courage, was eine Fusion auf Augenhöhe betrifft“, erklärt der Vorsitzende des Waldbauernverbands Brandenburg, Enno Rosenthal.

Rosenthal weiter: „Die vom Waldbesitzerverband genannten Argumente für den Rückzug, der Start weiterer Initiativen und der Beginn einer Onlineschulung im Rahmen des erfolgreichen Projekts Waldbauernschule Brandenburg sei hinter ihrem Rücken initiiert worden, sind falsch. Der Verhandlungspartner war von Anfang an über die beiden Projekte informiert, was auch in den Protokollen der gemeinsamen Vorstandssitzungen festgehalten worden ist.

Unsere Vorhaben, das forstliche Bildungsangebot der Waldbauernschule für die Zukunft weiter zu entwickeln und als landesweites Online-Schulungsangebot auszubauen, sowie mit dem Projektantrag ‚Waldtrainer‘ (Waldbauernverband Brandenburg, UNIQUEforstry Freiburg und KWF Großumstadt) die Referenten der Waldbauernschule an einer zukunftsfähigen Form der virtuellen wald- und umweltbezogenen Weiterbildung für Waldbesitzende und Vorstände forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse teilhaben zu lassen, werden wir weiter vorantreiben.“

Der stellvertretende Vorsitzender des Waldbauernverbandes und Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Altbensdorf-Vehlen, Steffen Noack, erklärt zum vorläufigen Gesprächsabbruch des Waldbesitzerverbandes: „Wir Waldbauern sind angesichts der engagierten gemeinsamen Vorarbeiten enttäuscht, werden aber umso stärker unsere Themen Berufsgenossenschaft, Gewässerunterhaltung und vor allem die Weiterentwicklung der überbetrieblichen Zusammenarbeit in Forstbetriebsgemeinschaften voranbringen. Wir bleiben eine starke Stimme für den Brandenburger Kleinprivatwald und für forstliche Zusammenschlüsse.“

Waldbaurnversammlung
Waldbauernversammlung im Juni 2019 in Paaren/Glien. Das Auditorium von über 100 Waldbesitzern diskutiert und beschließt unter anderem die Fusion der beiden Verbände der Waldbesitzer und Waldbauern.

Minister Vogel startet Beratungsoffensive und weitere Hilfsangebote für Brandenburgs Waldbesitzer

Brandenburgs Wälder sind in einem alarmierenden Zustand. Trockenheit, Waldbrände und Schadinsekten setzten ihm zu. Die Auswirkungen des Klimawandels sind inzwischen bei allen Baumarten sichtbar. Sie als Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sind bestrebt, Ihr Eigentum zu erhalten und zu entwickeln. Hierbei wird Sie das Land Brandenburg nach Kräften unterstützen. Ich möchte Sie hierauf entsprechende Angebote der Forstbehörde und weitere Möglichkeiten aufmerksam machen, wie Sie gemeinsam mit der Landesregierung und den Interessenverbänden der Waldbesitzer Ihren Wald für die Zukunft gestalten können.

In einigen Regionen Brandenburgs wachsen bereits jetzt stabile Mischwälder, die mit den derzeitigen Wetterextremen besser zurechtkommen als Reinbestände, aus der für unser Land typischen Kiefer. Ein Mischwald, der sich aus vielen verschiedenen Baumarten zusammensetzt und einen hohen Anteil an Laubholz enthält, ist an den Klimawandel besser angepasst. Der Klimawandel führt aufgrund der Trockenheit und der Zunahme von Schaderregern lokal und regional bereits zu massiven Waldschäden. Dort, wo heute nur ausgedehnte Kiefernreinbestände wachsen, sind die Wälder besonders stark durch Schadinsekten und Waldbrände gefährdet.

Laubbäume pflanzen und säen und den Wald aktiv pflegen — das ist in den nächsten Jahren die wichtigste Aufgabe all derer, die Wald besitzen. Nur allein durch Saat und Pflanzung von Laubbäumen ist es aber nicht zu schaffen. Wir müssen auch die Kräfte der Natur nutzen, Die Bäume sorgen mit ihren Samen und Früchten selbst für Nachwuchs. Auch Tiere, wie der Eichelhäher, unterstützen dies. Zu viele Rehe und Hirsche hingegen fressen als verbeißendes Schalenwild die jungen Bäume auf und verhindern so den natürlichen Mischwald. Daher muss hier auch durch jagdliche Maßnahmen Einfluss genommen werden.

Zertifikat seit 2019

Der Aufbau der dringend notwendigen Mischwälder sowie die Anlage von Waldrändern wird zudem mit Fördermitteln unterstützt. Darüber hinaus werden neben dem Waldumbau auch Maßnahmen zum vorbeugenden Waldbrandschutz – bis zu 100 Prozent – gefördert. Durch die zunehmende Trockenheit im Zuge des voranschreitenden Klimawandels nimmt auch die Waldbrandgefahr weiter zu. Nutzen Sie die Fördermöglichkeiten und machen Sie Ihren Wald durch den Bau von Löschwasserentnahmestellen, die Herrichtung von Waldbrandschutzwegen und die Anlage von Schutzstreifen sicherer.

Die Försterinnen und Förster des Landesbetriebes Forst Brandenburg sowie freiberufliche forstliche Berater helfen Ihnen gern und beraten Sie zu allen Fragen rundum Ihren Wald. Zusammenschlüsse, wie die Forstbetriebsgemeinschaften und die Waldbauernschule, unterstützen die über 93.000 kleinen Waldbesitzer, die Waldflächen von bis zu 10 Hektar besitzen, Bitte nutzen Sie diese Möglichkeiten und Angebote, um Ihren Wald für den Klimawandel vorzubereiten und so in eine stabile Zukunft zu führen.

Ich nehme die aktuelle Situation im Brandenburger Wald zum Anlass, gemeinsam mit den forstlichen Verbänden und dem Landesforstbetrieb eine Beratungsoffensiven zu starten. Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sollen umfassend informiert werden, wie wir gemeinsam die Herausforderungen des Klimawandels meistern können. Der Landesbetrieb Forst Brandenburg wird hierzu Informationsveranstaltungen anbieten, die Waldbauernschule hat ihr Programm ebenfalls auf die aktuelle Situation ausgerichtet und auch die Förderprogramme dienen der Unterstützung des Waldes und seiner Besitzer. Deshalb möchte ich Sie auf den neuen Internetauftritt „Ihr Wald braucht Zukunft“ aufmerksam machen: Sie finden unter https://ihrwaldbrauchtzukunft.de/ gebündelt die wichtigsten Links und Informationen, um Ihren Waldbestand für die Zukunft zu sichern. Hier finden Sie auch Adressverzeichnisse mit den für Sie zuständigen Ansprechpartnern der Forstverwaltung.

Falls Sie es noch nicht sind: Bitte werden Sie aktiv für Ihren Brandenburger Wald.
Ohne Sie und Ihren Wald geht es nicht!

Brandenburgs Landwirtschafts-Minister Axel Vogel reiste gestern zu einem Arbeits- und Informationsbesuch nach Bad Liebenwerda, um sich ein Bild von den Waldschäden in Südbrandenburg zu machen.
Der Vorort-Termin und die Diskussion unter anderem mit dem Vorsitzenden des Waldbauernverbandes Enno Rosenthal in rbb BRANDENBURG AKTUELL:

https://www.ardmediathek.de/

„Viele suchen jetzt Wald, damit sie einen Beitrag leisten können“: Waldbäume machen gerade harte Zeiten durch. Gleichzeitig ruhen angesichts des Klimawandels große Hoffnungen auf dem Wald. In Brandenburg schlagen bereits Forst-interessierte Berliner auf, so Enno Rosenthal, der auch Möchte-Gern-Waldbesitzer berät.

Waldbrandflächen als Lernorte für Forschung und Gesellschaft

Wälder sind in vielfacher Weise Opfer des Klimawandels. Hitze, Trockenheit, Stürme und Brände haben die Wälder in Brandenburg in den letzten drei Jahren extrem belastet und gezeichnet. Mit dem Forschungsprojekt PYROPHOB der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und sieben weiteren Partnern soll die Entwicklung verbrannter Waldflächen bei Jüterbog und Treuenbrietzen untersucht werden, um Lösungen für die Walderholung und Waldbrandvermeidung zu entwickeln. Die Flächen werden zu Lernorten für Waldökologie, Forstwirtschaft und Gesellschaft.

Vor ungefähr einem Jahr gab es den größten Waldbrand der letzten Jahrzehnte in Brandenburg. 744 Hektar Wald gingen bei Jüterbog in Flammen auf. 400 Hektar brannten 2018 in Treuenbrietzen. Auch in Zukunft wird es in Hitze- und Dürreperioden zu Bränden kommen. „Es besteht jedoch die Chance, aus den vergangenen Ereignissen und ergriffenen Maßnahmen systematisch zu lernen, um zukünftig die Risiken zu reduzieren und die Erholungsfähigkeit von Waldökosystemen zu stärken. Die Aufgabe, die Waldbewirtschaftung an den Klimawandel anzupassen, ist eine der zentralen Herausforderungen der Landnutzung“, sagt Prof. Dr. Pierre Ibisch, HNEE-Projektleiter. Mit dem Projekt PYROPHOB (der Begriff bedeutet ‚feuerabweisend‘) habe man nun die Möglichkeit, aus Waldbrandkatastrophen zu lernen. Auf den Flächen sollen Daten zum Wasserhaushalt, Boden, Mikroklima, und zur Entwicklung von Pilzen, Pflanzen und Tieren erhoben werden. „In Zeiten des Klimawandels könnte von entscheidender Bedeutung sein, welche Strukturen auf den Flächen Schatten und Kühlung spenden sowie Wasser zurückhalten, damit neue Bäume aufwachsen können – und zwar möglichst solche, die nicht so leicht brennen“, sagt Jeanette Blumröder, HNEE-Projektkoordinatorin. Zu den Projektpartnern zählen die Brandenburgische Technische Universität Cottbus – Senftenberg (BTU), das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE), die Naturwald Akademie, das Senckenberg Deutsche Entomologische Institut, die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, das Thünen-Institut für Forstgenetik und die Universität Potsdam.

Die Flächen

Das Untersuchungsgebiet umfasst vor allem kieferndominierte Wälder bzw. Kiefernreinbestände auf trockenen und nährstoffarmen Standorten im südlichen Brandenburg (bei Treuenbrietzen und Jüterbog). „Die Waldbrandflächen waren unterschiedlich starken Feuerintensitäten ausgesetzt und haben in verschiedenen Jahren (2017, 2018, 2019) gebrannt. Sie zeichnen sich durch unterschiedliche Ausgangsbedingungen, wie Baumalter und Vegetation bzw. Baumbestockung und teilweise auch abiotische und biotische Standortfaktoren aus“, berichtet Pierre Ibisch. Auf den Flächen in Treuenbrietzen wurden bereits erste forstliche Maßnahmen umgesetzt, darunter die vollständige und teilweise Räumung von verkohltem Restholz, das Pflügen von Böden oder auch die Bepflanzung mit verschiedenen Baumarten. Bedeutsam ist der Vergleich mit Flächen, auf denen nicht eingegriffen wurde und wo sich spontan neue Bäume eingestellt haben. Die Flächen der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, unter anderem auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog, sind der Wildnisentwicklung im Sinne des Prozessschutzes gewidmet. Hier finden auf über 75 Prozent der Fläche bereits keine menschlichen Eingriffe mehr statt, so dass die Natur sich frei entwickeln kann. Insgesamt hat es hier im letzten Jahr auf über 1000 Hektar gebrannt. „Das Projekt PYROPHOB bietet nun die einmalige Gelegenheit, zu beobachten, wie sich Waldbrandflächen in einem Wildnisgebiet ohne menschliche Einflussnahme entwickeln, welche Arten sich durch natürliche Sukzession hier kurz- und langfristig einstellen und auch wechselnde Klimabedingungen überdauern können“, sagt Dr. Andreas Meißner, Geschäftsführer der Stiftung.

Freilandlabore auch für die Öffentlichkeit

Das Projekt PYROPHOB wird nicht allein die Forschung voranbringen. Auch Bürger*innen, Schüler*innen, Expert*innen, Praktiker*innen und Entscheidungsträger*innen sind angesprochen, sich mit den Gebieten und ihrer Brandgeschichte sowie deren ökosystemarer Entwicklung auseinanderzusetzen. Geplant ist es, verschiedene Veranstaltungen vor Ort zu organisieren, eine Fachtagung auszurichten und eine Webseite zum Projekt aufzusetzen, auf der gebündelt alle Informationen rund um PYROPHOB veröffentlicht werden. Darüber hinaus profitieren auch die Studierenden der drei beteiligten brandenburgischen Hochschulen von den gewonnenen Erkenntnissen. Sie werden in Studiengängen wie z.B. Forstwirtschaft an der HNEE, Landnutzung und Wasserbewirtschaftung an der BTU oder Ecology, Evolution and Conservation an der Universität Potsdam auf den Flächen erleben können, wie sich Waldbrandflächen entwickeln und welche Strategien wirksam sind.

Eckdaten zum Projekt

Projektname: Verbundprojekt Strategien zur Entwicklung von pyrophoben und klimawandelresilienten Wäldern auf Waldbrandflächen (PYROPHOB)
Projektkoordinator: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde / Centre for Econics and Ecosystem Management
Förderung: Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
Projektdauer: 5 Jahre

Das Projekt ist den Förderschwerpunkten 1 „Anpassung der Wälder an den Klimawandel“ und 2 „Sicherung der Kohlenstoffspeicherung und Erhöhung der CO2-Bindung von Wäldern“ zuzuordnen und bezieht sich auf die Förderrichtlinie Waldklimafonds und im speziellen den Förderaufruf „Waldbrände – Herausforderungen bei der Vermeidung und Bewältigung angehen“.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Pierre Ibisch
Projektleiter von PYROPHOB
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde/ Centre for Econics and Ecosystem Management
Telefon 03334 657178

Begehung auf einer der Waldbrandflächen Foto: Dr.Tilo Geisel

Ausgefallenen Schulungsexkursionen werden nachgeholt

Die ab dem 20.03.2020 ausgefallenen Schulungsexkursionen werden an folgenden Terminen nachgeholt.

Wir hoffen, Sie sind gesund geblieben und freuen sich mit uns über die Lockerungen, die uns nun eine allmähliche Rückkehr zu unseren gewohnten Aufgaben und Tätigkeitsfeldern ermöglichen. Nach der corona-bedingten Unterbrechung unserer Frühjahrsveranstaltungen möchten  wir nun die ausgefallenen Schulungsexkursionen zumindest an einigen Orten nachholen – unter Beachtung der weiterhin bestehenden und ernst zu nehmenden Sicherheitsauflagen.

Es gab zahlreiche Anfragen und den Wunsch nach Wiederaufnahme der Waldbauernschule, auch wenn der Durchführungszeitraum nun in die Sommer- und Ferienzeit fällt.

Der hier verlinkten Übersicht können Sie die aktuellen neuen Termine entnehmen.

Die geplanten Schulungsinhalte haben wir wieder aufgegriffen, aktualisiert und den Schwerpunkt auf die Waldexkursion verlagert.

Bitte melden Sie sich rechtzeitig unter 033920 / 50610 oder waldbauern@t-online.de bei uns an.